Durchfall belastet den Verdauungstrakt und führt dazu, dass der Körper innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Wasser und Elektrolyten verlieren kann. Deshalb steht bei akutem Durchfall nicht allein die Frage im Mittelpunkt, welche Lebensmittel besonders bekömmlich sind. Mindestens ebenso entscheidend ist eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Salzen. Bei unkompliziertem akutem Durchfall ist eine strenge Schonkost oder längeres Fasten nach heutigem Kenntnisstand normalerweise nicht erforderlich. Sobald wieder Appetit vorhanden ist und Nahrung vertragen wird, kann schrittweise gegessen werden.
Besonders geeignet sind zunächst Lebensmittel, die leicht verdaulich, nicht übermäßig fettreich und nicht stark gewürzt sind. Reis, Kartoffeln, Bananen, Zwieback, Toast, Haferbrei und mild zubereitete Möhren gehören zu den klassischen Möglichkeiten. Auch klare Brühen können sinnvoll sein, da sie neben Flüssigkeit Salz liefern. Entscheidend ist allerdings die individuelle Verträglichkeit. Ein gereizter Darm reagiert während und unmittelbar nach einer Durchfallerkrankung teilweise empfindlicher als gewöhnlich.
Eine ausschließlich aus Banane, Reis und Zwieback bestehende Ernährung über mehrere Tage bietet dagegen keinen besonderen Vorteil. Der Körper benötigt weiterhin Energie, Eiweiß, Mineralstoffe und weitere Nährstoffe. Sobald sich die Beschwerden bessern, sollte die Lebensmittelauswahl deshalb wieder erweitert werden.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder relevanten Vorerkrankungen. Bei ihnen kann ein ausgeprägter Flüssigkeitsverlust schneller problematisch werden. Blut oder schwarzer Stuhl, starke Schmerzen, hohes Fieber, deutliche Kreislaufprobleme oder länger anhaltende Beschwerden gehören ebenfalls zu den Situationen, in denen eine medizinische Abklärung erforderlich ist.
Flüssigkeit und Elektrolyte haben Vorrang

Der wichtigste ernährungsmedizinische Schritt bei akutem Durchfall besteht darin, verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen. Mit jedem flüssigen Stuhl verliert der Körper Wasser und unter anderem Natrium und Kalium. Bei häufigen Toilettengängen, gleichzeitigem Erbrechen oder Fieber kann sich daraus innerhalb relativ kurzer Zeit ein relevanter Flüssigkeitsmangel entwickeln.
Wasser ist deshalb sinnvoll, gleicht für sich allein aber nicht sämtliche Elektrolytverluste aus. Bei milden Beschwerden können Wasser, ungesüßter beziehungsweise nur leicht gesüßter Tee und eine salzhaltige Brühe kombiniert werden. Bei stärkerem Durchfall sind standardisierte orale Rehydratationslösungen besonders geeignet. Sie enthalten Wasser, Glukose und Elektrolyte in einem abgestimmten Verhältnis. Die Kombination aus Glukose und Natrium unterstützt die Aufnahme von Wasser über den Darm.
Bei gleichzeitigem Erbrechen sind große Getränkemengen auf einmal häufig unangenehm. Kleine Mengen in kurzen Abständen werden oft besser vertragen. Dadurch lässt sich kontinuierlich Flüssigkeit zuführen, ohne den Magen unnötig zu belasten.
Cola gilt traditionell als Hausmittel gegen Durchfall, ist jedoch keine optimale Rehydratationslösung. Der hohe Zuckergehalt kann ungünstig sein, während die Zusammensetzung den tatsächlichen Elektrolytbedarf nicht ausgewogen abdeckt. Auch unverdünnte Fruchtsäfte, sehr süße Limonaden und Energydrinks eignen sich bei akutem Durchfall nur eingeschränkt. Große Mengen einfacher Zucker können bei empfindlichem Darm Beschwerden verstärken.
Warnzeichen eines ausgeprägten Flüssigkeitsmangels können starker Durst, trockener Mund, ungewöhnlich wenig oder sehr dunkler Urin, Schwäche, Schwindel und Kreislaufprobleme sein. Insbesondere bei Kindern und älteren Menschen sollte ein solcher Zustand nicht ausschließlich über Ernährung behandelt werden.
Welche Lebensmittel bei Durchfall gut verträglich sind

Nach einer akuten Durchfallepisode besteht häufig wenig Appetit. Ein erzwungenes Essen großer Portionen ist dann nicht sinnvoll. Ebenso wenig besteht jedoch ein genereller Grund, den Darm durch längeres Fasten vollständig „ruhigzustellen“. Sobald Hunger zurückkehrt und Nahrung vertragen wird, können kleine Mahlzeiten aufgenommen werden.
Reis und Kartoffeln
Weißer Reis ist fettarm, mild und relativ leicht verdaulich. Er lässt sich zunächst weich kochen und beispielsweise mit etwas Salz oder einer milden Gemüsebrühe kombinieren. Stark gewürzte Soßen, große Fettmengen und scharfe Beilagen sind in dieser Phase weniger geeignet.
Ähnliches gilt für Kartoffeln. Salzkartoffeln oder Kartoffelbrei mit wenig Fett können eine gut verträgliche Energiequelle darstellen. Pommes frites, Bratkartoffeln und sehr fettreiche Kartoffelgerichte besitzen dagegen eine völlig andere Wirkung auf den Verdauungstrakt und sollten während akuter Beschwerden zunächst vermieden werden.
Bananen
Reife Bananen sind weich, unkompliziert zu essen und liefern Kohlenhydrate sowie Kalium. Sie können pur gegessen, zerdrückt oder beispielsweise mit Haferbrei kombiniert werden. Ihre traditionelle Rolle bei Durchfall bedeutet allerdings nicht, dass große Mengen Bananen notwendig sind. Sie sind lediglich ein geeignetes Lebensmittel innerhalb einer insgesamt ausgewogenen Ernährung.
Haferflocken und Haferbrei
Feinere Haferflocken lassen sich mit ausreichend Wasser zu einem weichen Brei kochen. Dadurch entsteht eine warme, relativ milde Mahlzeit, die Kohlenhydrate und lösliche Ballaststoffe liefert. In der akuten Phase sollte auf große Mengen Zucker, Sahne, Schokolade, Nüsse oder andere schwerer verdauliche Zusätze verzichtet werden.
Zwieback, Toast und helles Brot
Zwieback und Toast sind klassische Bestandteile einer leichten Ernährung, weil sie relativ fettarm und einfach portionierbar sind. Medizinisch notwendig ist Zwieback jedoch nicht. Auch anderes mildes Brot kann geeignet sein. Sehr körnerreiche Vollkornprodukte werden unmittelbar während einer starken Durchfallphase teilweise schlechter vertragen, weil größere Mengen grober Ballaststoffe die Darmtätigkeit zusätzlich anregen können.
Möhren und anderes mildes Gemüse
Gut gegarte Möhren sind weich und können beispielsweise als Möhrensuppe oder Gemüsebeilage gegessen werden. Auch andere milde Gemüsesorten kommen infrage, sofern sie gut gekocht und individuell verträglich sind. Große Portionen Rohkost sind während einer akuten Magen-Darm-Erkrankung dagegen häufig weniger angenehm.
Brühe und leichte Suppen
Eine klare Gemüse- oder Hühnerbrühe verbindet Flüssigkeitsaufnahme mit Salz und lässt sich bei vermindertem Appetit oft gut aufnehmen. Aus einer einfachen Brühe kann mit Reis, Kartoffeln, Nudeln oder weich gekochtem Gemüse anschließend eine vollwertigere Mahlzeit entstehen. Sehr fettreiche Suppen und große Mengen Sahne sind zunächst weniger günstig.
Essen nach Durchfall schrittweise normalisieren
Eine verbreitete Vorstellung lautet, dass nach Durchfall mehrere Tage ausschließlich „Schonkost“ gegessen werden müsse. Für unkomplizierte akute Durchfallerkrankungen ist eine derart starre Einschränkung normalerweise nicht erforderlich. Die normale Ernährung kann wieder aufgenommen werden, sobald Appetit und Verträglichkeit dies zulassen.
Praktisch bewährt sich trotzdem ein schrittweises Vorgehen. Am Anfang stehen kleinere Portionen milder Lebensmittel. Werden diese ohne zunehmende Bauchschmerzen, Übelkeit oder stärkeren Durchfall vertragen, lässt sich die Auswahl erweitern. Nach Reis, Kartoffeln, Haferbrei, Toast, Banane und gekochtem Gemüse können beispielsweise Nudeln, Eier oder mageres Fleisch hinzukommen.
Mehrere kleinere Mahlzeiten können angenehmer sein als eine sehr große Portion. Entscheidend ist weniger ein festgelegter Ernährungsplan als die Reaktion des Verdauungstraktes. Ein plötzliches üppiges Essen mit viel Fett, Alkohol, scharfen Gewürzen und großen Mengen Rohkost unmittelbar nach einer schweren Durchfallepisode ist unnötig belastend.
Auch Eiweiß sollte nach einer kurzen Phase mit geringem Appetit wieder berücksichtigt werden. Eier, mageres Geflügel oder andere individuell gut verträgliche Eiweißquellen können dazu beitragen, wieder zu einer normalen Nährstoffversorgung zurückzukehren.
Bei länger anhaltendem Durchfall verändert sich die Situation. Beschwerden über mehrere Tage oder wiederkehrende Durchfälle können beispielsweise mit Infektionen, Medikamenten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Erkrankungen des Verdauungssystems zusammenhängen. Eine immer strengere Selbstbeschränkung der Ernährung behebt solche Ursachen nicht zwangsläufig. Bei wiederkehrenden Beschwerden kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein, um Zusammenhänge zwischen Lebensmitteln und Symptomen zu erkennen. Eine dauerhafte Eliminationsdiät sollte jedoch nicht ohne nachvollziehbaren Grund durchgeführt werden.
Was bei Durchfall besser nicht gegessen werden sollte

Nicht jedes Lebensmittel, das normalerweise Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung ist, wird während einer akuten Durchfallerkrankung gleich gut vertragen. Besonders problematisch können sehr fettreiche Speisen sein. Frittiertes, Fast Food, fettreiche Soßen, große Mengen Butter oder Sahne und sehr üppige Fleischgerichte können Verdauungsbeschwerden verstärken.
Auch sehr scharf gewürzte Mahlzeiten sind während einer akuten Darmreizung wenig sinnvoll. Chili und vergleichbar scharfe Zutaten können vorhandene Beschwerden unangenehmer machen. Das bedeutet nicht, dass Gewürze dauerhaft gemieden werden müssen. Sobald sich der Verdauungstrakt normalisiert hat, ist eine schrittweise Rückkehr zur üblichen Ernährung möglich.
Größere Mengen einfacher Zucker können ebenfalls ungünstig sein. Dazu zählen stark gesüßte Limonaden, Süßigkeiten und manche unverdünnten Fruchtsäfte. Zuckeralkohole wie Sorbit, Xylit oder Mannit besitzen zusätzlich eine abführende Wirkung, wenn größere Mengen aufgenommen werden. Sie finden sich unter anderem in bestimmten zuckerfreien Süßigkeiten und Kaugummis.
Alkohol sollte während einer akuten Durchfallerkrankung vermieden werden. Auch Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke können bei empfindlichem Darm problematisch sein. Sobald die Verdauung wieder stabil ist, können gewohnte Getränke schrittweise ausprobiert werden.
Milchprodukte nach Durchfall
Milch und andere laktosehaltige Produkte stellen einen Sonderfall dar. Nach bestimmten akuten Darminfektionen kann vorübergehend weniger Laktase im Dünndarm zur Verfügung stehen. Dieses Enzym wird benötigt, um Milchzucker zu spalten. Eine vorübergehend schlechtere Laktoseverdauung kann Blähungen, Bauchschmerzen und erneuten dünnen Stuhl verursachen.
Treten nach Milchprodukten entsprechende Beschwerden auf, kann es sinnvoll sein, die Menge vorübergehend zu reduzieren oder laktosefreie Alternativen zu verwenden. Eine dauerhafte laktosefreie Ernährung ist daraus jedoch nicht automatisch abzuleiten. Die Verträglichkeit normalisiert sich häufig wieder.
Für Säuglinge und Kinder gelten andere ernährungsmedizinische Regeln als für Erwachsene. Säuglinge sollten nicht ohne fachliche Empfehlung auf selbst zusammengestellte Schonkost umgestellt werden. Stillen beziehungsweise die übliche Säuglingsnahrung wird im Allgemeinen fortgeführt.
Schonkost bei Durchfall richtig zusammenstellen
Eine verträgliche Tagesernährung muss weder kompliziert noch eintönig sein. Nach einer Nacht mit mehreren Durchfallepisoden kann beispielsweise zunächst die Flüssigkeitszufuhr im Mittelpunkt stehen. Wird ein Frühstück vertragen, kommen Haferbrei mit zerdrückter Banane oder Toast infrage. Mittags können weich gekochter Reis oder Kartoffeln mit Möhren und etwas Brühe folgen. Eine leichte Suppe bietet sich am Abend an.
Verbessert sich der Zustand, wird die Ernährung nicht tagelang auf diese wenigen Lebensmittel beschränkt. Weitere Lebensmittel können schrittweise ergänzt werden. Dadurch lässt sich vermeiden, dass bei längerem Krankheitsverlauf unnötig wenig Energie, Eiweiß und Mikronährstoffe aufgenommen werden.
Die häufig empfohlene Kombination aus Banane, Reis, Apfelmus und Toast ist international als sogenannte BRAT-Diät bekannt. Eine ausschließliche Ernährung nach diesem Prinzip gilt inzwischen als unnötig restriktiv. Einzelne Bestandteile können durchaus gut verträglich sein, doch daraus ergibt sich keine Notwendigkeit, ausschließlich diese Lebensmittel zu essen.
Auch geriebener Apfel wird traditionell als Hausmittel verwendet. Äpfel enthalten Pektin, einen löslichen Ballaststoff. Gleichzeitig enthalten sie jedoch Fruchtzucker und weitere Kohlenhydrate, die nicht bei jedem gereizten Darm gleich gut vertragen werden. Kleine Mengen sind daher sinnvoller als der Versuch, Durchfall mit großen Mengen Apfel zu behandeln.
Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, nach jedem flüssigen Stuhl ausschließlich Wasser zu trinken und kaum Salz oder Nahrung aufzunehmen. Bei ausgeprägtem Durchfall ist gerade der Elektrolytersatz relevant. Umgekehrt sollte eine selbst zusammengemischte Salzlösung nicht beliebig stark konzentriert werden. Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust sind fertig zusammengesetzte orale Rehydratationslösungen eine verlässlichere Möglichkeit.
Wann Durchfall medizinisch abgeklärt werden sollte
Eine kurze Episode mit wässrigem Durchfall ohne weitere Warnzeichen lässt sich bei ansonsten gesunden Erwachsenen häufig zu Hause überbrücken. Nicht jeder Durchfall ist jedoch eine harmlose Magen-Darm-Infektion.
Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl gehört zu den Warnzeichen. Gleiches gilt für starke oder zunehmende Bauchschmerzen, hohes Fieber, ausgeprägte Schwäche, Kreislaufprobleme und Anzeichen einer erheblichen Austrocknung. Auch sehr häufige wässrige Stühle in kurzer Zeit erhöhen das Risiko eines relevanten Flüssigkeitsverlustes.
Kann aufgrund von ständigem Erbrechen kaum Flüssigkeit behalten werden, reicht eine Ernährungsumstellung ebenfalls nicht aus. Medizinische Hilfe kann erforderlich sein, um den Flüssigkeitshaushalt wiederherzustellen.
Bei Erwachsenen sollte anhaltender Durchfall ärztlich beurteilt werden, insbesondere wenn nach etwa zwei Tagen keine erkennbare Besserung eintritt oder zusätzliche Beschwerden bestehen. Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen, Schwangeren, immungeschwächten Personen und Menschen mit relevanten Vorerkrankungen ist eine frühere Abklärung sinnvoll.
Besondere Aufmerksamkeit verdient Durchfall nach einer Antibiotikabehandlung. Antibiotika können die Darmflora verändern und in bestimmten Fällen Erkrankungen begünstigen, die gezielt diagnostiziert und behandelt werden müssen. Auch länger anhaltender Durchfall nach einer Fernreise, wiederkehrender nächtlicher Durchfall, unbeabsichtigter Gewichtsverlust oder regelmäßig auftretende Beschwerden sollten nicht dauerhaft mit Schonkost überdeckt werden.
Quelle: Bescheid-geben

