Künstler, auf die Barrikaden!

The-Show...The-Rehearsal

Der Auftritt ist ja wohl nur die sichtbare Spitze des Eisbergs – was sich unter Wasser befindet, sind die vielen ungezählten Stunden, die Künstler mit Proben beschäftigt sind und vor dem Publikum und Veranstaltern meist verborgen bleiben. Das Titelbild bringt für uns die Situation vieler Künstler auf den Punkt, die sich mit lächerlich geringen Gagen sprichwörtlich “über Wasser” halten müssen.

Wie ernst für viele Künstler die derzeitige Entwicklung im Kulturbetrieb ist, zeigte sich erst vorgestern in Berlin, wo Theaterstudenten aus Protest eine ganze Bühne des Maxim Gorki Theaters besetzten (Link), da sie für ihre Festivalbeiträge nicht einmal eine Aufwandsentschädigung erhielten. Die Wut über derartige Verhältnisse drückt sich zunehmend auch in Facebook-Seiten wie “Die traurigsten & unverschämtesten Künstler-Gagen & Auditionerlebnisse” (Link) aus. Hier werden neben sittenwidrigen Gagenvereinbarungen auch Verhaltenskodizes für Gagenverhandlungen festgeschrieben.

Was die Theaterstudenten auf die Barrikaden treibt, dürfte auch für professionelle Musiker nicht neu sein. Was sind Eure Erfahrungen und Eure schlimmsten Gagenerlebnisse? Schreibt uns unten in den Kommentaren!

700.000 Euro Zoll für Stradivari

Dass der deutsche Zoll viel (Un-)Sinn für die Kultur hat, sieht man immer wieder am Umgang mit asiatischen Musikern, die mit ihren Spitzeninstrumenten an deutschen Flughäfen scheitern. Nachdem im letzten Jahr bereits dreimal japanische Musikerinnen um ihre wertvollen Geigen erleichtert wurden, hat es unlängst den chinesischen Violinisten  Feng Ning erwischt. Der Virtuose, der eine Stradivari anno 1721 im Wert von 3,5 Mio. Euro im Gepäck hatte, konnte dafür keine Einfuhrpapiere vorweisen und wird nun der Steuerhinterziehung bezichtigt. Die Geige wurde konfisziert und soll nun gegen eine Zollgebühr in Höhe von 19 % ihres Wertes freigegeben werden, also für ca. 700.000 Euro!  Das Problem: Die Eigentümer, meist ausländische Körperschaften, sind sich oft über das sogenannte “Carnet”-Papier nicht bewusst. Damit können sich Berufsmusiker mit ihren Instrumenten frei in Deutschland bewegen und müssen keine Einfuhrsteuer zahlen.

Das sture Verhalten der deutschen Zollbeamten führte indes sogar schon zu diplomatischen Verstimmungen, indem sich japanische Diplomaten bei der Bundesregierung über die Vorfälle beschwert hatten. Ein darauf formulierter Einwand vom obersten Finanzhüter Wolfgang Schäuble machte indes wenig Eindruck auf die Zöllner- umgehend wurde auch der Finanzminister von den Gesetzeshütern mit Charme beschenkt: Einer Anzeige wegen Strafvereitelung durch Unterlassen bei der Berliner Staatsanwaltschaft.