Alternative Aufführungen zu Bachs Weihnachtsoratorium

 Johann Sebastian Bach

Zur Weihnachtszeit wird vielerorts das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Doch nicht immer wird dieses Werk in möglichst originalgetreuer Form dargeboten. Die Alternativen reichen von Jazz bis Ballett und können teils gravierende musikalische wie inhaltliche Unterschiede aufweisen.

John Neumeier: Bach und Ballett

Eine beeindruckende und stark gefeierte Premiere gab es am 8. Dezember 2013 in der Staatsoper Hamburg. John Neumeier hat einige Jahre damit verbracht, Bachs Weihnachtsoratorium in eine tanzbare Version zu verwandeln und präsentierte dem Publikum am Adventssonntag eine Ballettversion aller sechs Teile. In dem dreistündigen Stück geht es Neumeier nicht um eine bloße Nacherzählung der biblischen Geschichte, sondern es sollen allgemeine menschliche Werte vermittelt werden. Dirigiert wurden die Philharmoniker sowie der Staatsopernchor von Barrock-Spezialist Alessandro de Marchi.

Bill Dobbins: übersetzt Bach in Jazz

Das jüngere, oft der Klassischen Musik weniger zugeneigte Publikum findet möglicherweise Gefallen an dem Arrangement von Bill Dobbins. Hier entsteht durch die Symbiose von Vokalensemble und Bigband ein völlig neuer Klang, welcher mit der Urform eines barocken Stücks kaum noch etwas zu tun hat. Möglich wird dies durch die King’s Singers, dem wohl renommiertesten Vokalensemble der Welt, sowie der WDR Bigband, die zu den besten in ganz Europa zählt. Die Übersetzung des Bachschen Werks in eine Jazz-Latin-Gospel-Variante stellt eine gelungene Abwechslung dar, wenn sie auch im Vergleich zu einer Smartphone-Version der Arie “Großer Herr” fast schon konventionell erscheint.

Johann Wilhelm Hertel: Textvariation

Ihre Uraufführung feierte Johann Wilhelm Hertels “Die Geburt Jesu Christi” zwar bereits im Jahr 1777, aber die vergleichsweise schlicht gehaltene Weihnachtskantate ist dennoch als eine besondere Alternative zu verstehen. Hertel verknüpft auf geschickte Weise bekannte Weihnachtsmelodien mit lyrischen Arien und einfachen Chorsätzen. Dabei verwendet er einen Text des mecklenburgischen Pfarrers Heinrich Julius Tode. In diesem wird nicht etwa die biblische Weihnachtsgeschichte thematisiert, sondern mehr auf belehrende, teils sogar anklagende Weise Kritik an den ungläubigen Menschen geübt.

Heinrich von Herzogenberg: Reduktion

In den meisten Fällen werden nur ausgewählte Teile des Weihnachtsoratoriums aufgeführt, da ansonsten die Spieldauer zu umfangreich wäre. Auch ist die benötigte Besetzung für viele kleinere Kirchen ein Problem für die angemessene Darstellung. In “Geburt Christi” erschuf Heinrich von Herzogenberg ein Weihnachtsoratorium, das mit nur wenigen Instrumenten und Sängern auskommt. Damit trotzdem eine festliche Atmosphäre entstehen kann, werden die Zuhörer gesanglich in die Aufführung integriert.

Die vorgestellte Auswahl von Interpretationen und Neuinszenierungen zeigt, welch breiten Spielraum das Weihnachtsoratorium zulässt. Das ursprüngliche Werk ist zwar auch in der heutigen Weihnachtszeit der Klassiker schlechthin, jedoch eröffnen sich immer wieder neue Möglichkeiten, Bach auf eine andere Art zu entdecken.
Kennt auch ihr spannende oder vielleicht kuriose Fassungen vom Weihnachtsoratorium? Dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar.

(Bild: Wikipedia/gemeinfrei)

RIAS-Kammerchor: Groupe des Six-Musik im Institut Francais

Interview RIAS-Kammerchor

Jörg Genslein und Christian Mücke verraten Details zu ihrer Aufführung

Im Blogeintrag von Hagen Kohn bei Vio World sind wir auf ein interessantes Video gestoßen. Darin geben Jörg Genslein, künstlerischer Leiter sowie Christian Mücke, Tenor-Sänger des RIAS-Kammerchors Hintergrundinformationen zur Groupe des Six, einer Komponistengruppe aus Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts. Am 8. November führte der RIAS-Kammerchor im Institut Francais de Berlin ausgewählte Stücke der Groupe des Six auf.

Kammerkonzert an ungewöhnlichem Ort

Der RIAS-Kammerchor war am Freitag, den 8. November im Rahmen ihrer Konzerte an ungewöhnlichen Orten zu Gast im Institut Francais de Berlin.Das Institut befindet sich seit 1950 im Maison de France am Kurfürstendamm der Bundeshauptstadt. Es hat sich die Förderung französischer Kultur und Sprache zur Aufgabe gemacht. Deshalb bietet das Institut Francais nicht nur Französisch-Sprachkurse an – als einzige Institution in ganz Berlin können hier DELF-Prüfungen abgelegt werden –, es finden auch regelmäßig Konzerte, Theaterstücke, Lesungen und vielfältige andere Kunstprojekte statt. Dies dient dem Austausch europäischer Länder sowie dem internationalen Dialog.
Für das Institut selbst mag es nicht sehr ungewöhnlich erscheinen, einen Kammerchor bei sich begrüßen zu dürfen. Doch aus Sicht des Kammerchors ist ein Sprachzentrum kein üblicher Ort für solch ein Konzert.

Musik einer ungewöhnlichen Gruppierung

Der Name „Groupe des Six“ stammte nicht von der Komponistengruppe selbst und sie war auch lange nicht so organisiert und durchstrukturiert wie manch einer glauben mag. Im Jahr 1918 schlossen sich lediglich fünf Männer und eine Frau zusammen, um ein wenig miteinander zu komponieren.
Die Gruppe setzte sich zusammen aus:

  • Georges Auric
  • Louis Durey
  • Arthur Honegger
  • Darius Milhaud
  • Francis Poulenc
  • Germaine Tailleferre

Eine gemeinsame Eigenschaft der sechs Komponisten war die Ablehnung der romantischen, sprich wagnerianischen Musik. Auch wendeten sie sich vom musikalischen Impressionismus ab, wie ihn Claude Debussy prägte. Stattdessen wandte sich die Groupe des Six Unterhaltungsmusikformen wie dem Jazz oder der Zirkus-Musik zu. Das Ergebnis dieser Kooperation zeigte sich 1921 in Form des Ballett-Stücks „Les Mariés de la Tour Eiffel“ (Die Hochzeit auf dem Eiffelturm).
Weitere Hintergrundinformationen zur Groupe des Six und einen Einblick in die musikalische Darbietung des RIAS-Kammerchors gibt es in diesem Video:

(Bild: Screenshot youtube.de)

Gestern Abend bei der HMT Stagenight…

Die HMT-Studentin Stefanie Stieglmaier alias June Coco überraschte uns gestern mit einer bezaubernden Version des Lou-Reed-Klassikers “Perfect day”. Die Sängerin und ihre Musiker brachten den Song als Zugabe ihres Konzertes im Rahmen eines wirklich sinnlichen musikalischen Abends im Telegraph.

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